Corporate Documentary

Ein Corporate Documentary ist ein Dokumentarfilm im Auftrag einer Firma. Wer direkt zwei Beispiele von mir anschauen will, scrollt zum Ende des Artikels. Ein Corporate Documentary unterscheidet sich deutlich von einem Imagefilm und zwar in folgenden Punkten:

  • Authentizität: Es wird gezeigt, was schon da ist anstatt eine künstliche Illusion zu zeigen wie dies in einem Imagefilm manchmal geschieht. „Im Video kann man nicht lügen“, sage ich immer. Das stimmt insofern, als dass ich die Begeisterung der Menschen, die ich interviewe nicht „erzeugen“ kann, ich kann sie nur hervorkitzeln und zeigen. Ich arbeite in diesem Fall mit direkt Involvierten und die können nicht schauspielern. Deshalb ist es von enormer Wichtigkeit, dass die Firma wirklich das lebt, was ich im Video zeigen will.
  • Wirkung: Der Film wirkt auf den Zuschauer, weil er glaubhaft ist. Es macht einen Unterschied, ob ein CEO im perfekt gestylten Büro sagt, dass Verbesserungsvorschläge der Mitarbeiter ernst genommen würde oder ob man konkrete Massnahmen dokumentiert und die Mitarbeiter erklären, wie es dazu gekommen ist. Das Inszenieren einer Realität in einem Imagefilm „fühlt“ sich nicht richtig an. Der Zuschauer spürt, das etwas nicht stimmt und es vermindert das Vertrauen gegenüber der Firma.
  • Inhalt: Im Imagefilm heisst es: „Wir sind innovativ“ und es werden Bilder einer komplexen Maschine gezeigt und dann eine 3-D-Simulation am Arbeitstisch eines Ingenieurs. Das Bild unterstützt den Text, muss aber nicht zwingend etwas mit der Firma zu tun haben. Dies könnte auch aus dem Drehbuch einer schlechten Agentur stammen. Im Corporate Documentary wird Innovation am Beispiel gezeigt. Ein Mitarbeiter erklärt, wie es früher gemacht wurde, wie die Idee entstanden ist und es wird gezeigt, wie es heute funktioniert. Konkret am Beispiel. Dass diese Firma innovativ ist, entsteht beim Zuschauer im Kopf und muss nicht einmal explizit gesagt werden.
  • Konkretisierung: Es kann nur gezeigt werden, wie die Firma ist und nicht wie sie sich selbst gerne sieht (das wird oft in schlechten Imagefilmen gemacht). Was gezeigt wird im Film muss gelebt werden, muss funktionieren, muss begeistern. Etwas zu inszenieren wäre schlicht zu aufwendig (Schauspieler, Requisiten, ev. Animation), geschweige denn das Risiko zu gross wenn der Betrug auffliegt.
  • Produktion: Die Kamera wird dreckig, der Drehplan oft nicht eingehalten, Zeiten verschoben, der Betrieb läuft weiter. Es wird oft viel improvisiert. Im Gegensatz zu Imagefilm, wo oft schon vorher alles geputzt, vorbereitet, beleuchtet und gestylt wird. Eine Firmendoku mache ich komplett alleine, oft sind ein Kragenmikrofon, der Mitarbeiter, Ich und die Kamera da und sonst nichts. Dann entsteht Nähe, dies erlaubt echte spontane Reaktionen.

 

Alle Punkte haben mit Ehrlichkeit zu tun. Mit Realität versus Illusion. Und das ist der Grund, warum es oft ein Gedanke wert ist, ob man nicht lieber einzelne Aspekte der Firma in einer kleinen Dokumentation zeigt als ein unrealistisches Bild mit einem Imagefilm zu erzeugen. Natürlich bist die Voraussetzung, dass man nichts zu verbergen hat – aber in diesem Fall macht man sowieso lieber nichts, was mit Kommunikation zu tun hat.

Jetzt, wo ich die Differenzierung zwischen Imagefilm und Dokumentation gemacht habe, würde ich die Begriffe am liebsten wieder zusammenführen. Denn ein Corporate Documentary hat mindestens so viel mit Image zu tun wie die klassische Vorstellung eines Imagefilms.

Zwei Corporate Documentaries durfte ich für die SACAC AG umsetzen, für die ich schon einen Imagefilm und Interviews über die Firmenwerte umsetzen durfte:

Lean Management bei der SACAC AG:

Die Geschichte der SACAC zum 70-Jahr-Jubiläum:

Immobilienvideos

Obwohl ich normalerweise immer Menschen vor der Kamera habe, kam ich in den Genuss, ein Ferienhaus und Ferienwohnungen filmen zu dürfen. Sie wurden schliesslich auf der Webseite veröffentlicht und dienen als virtuelle Tour für interessierte Kunden. Es handelt sich dabei um ein altes Kloster in der Provence mit zwei Wohnungen, die man mieten kann. Die Atmosphäre ist wirklich einzigartig. Hier kann man buchen.

Das Haus:

Untere Wohnung:

Obere Wohnung:

Youtube-Thumbnails schnell selbst basteln und Zeit sparen

Immer wieder betone ich die Wichtigkeit für selbstbestimmte Vorschaubilder für Videos. Selbstbestimmt heisst, dass man es nicht Youtube, Facebook oder Vimeo überlässt, die Vorschaubilder für Videos zu bestimmen, sondern eigene kreiert. Nun haben die meisten meiner Kunden zwar Photoshop, aber bis sich ein Nicht-Designer durch alle Einstellungen gekämpft hat, ist der halbe Tag um.

Deshalb braucht es eine einfache Lösung. Die heist für mich canva.com. Sie eignet sich generell für Social-Media-Multimedia (was für ein Wort!).

Dazu mein Video (auf Englisch für meine englisch sprechenden Kursteilnehmer):

Was ein Firmenvideo mit Zielen, Identität und Vision zu tun hat

Einen drögen 6-Minuten-Clip mit Liftmusik und austauschbarem Sprecher, den sich nur Leute anschauten, die eingesperrt in einem Raum auf das Vorstellungsgespräch warten oder eine Betriebsführung besuchen: Das geht nicht mehr in Zeiten, in denen der Kampf um Aufmerksamkeit und einen Platz im Kopf von potenziellen Kunden oder Mitarbeitern hart erkämpft werden muss.

Diesen Bericht auf Schweizerdeutsch anhören:


Vorbei sind auch die Zeiten, in denen eine Videoproduktionsfirma als operativer Dienstleister verstanden wurde. Der Produzent muss in die Strategie eingeweiht werden. Der Produzent muss die Organisation verstehen, muss ihre Intentionen berücksichtigen, muss die Werte, die Vision, die Leitlinien und vor allem die Organisationsziele verinnerlichen. Nur dann kann er die Identität einer Firma in ein Video verweben.

Deshalb ist die erste und wichtigste Frage des Produzenten an seine Kunden:

Warum möchten Sie dieses Video machen?“

Diese Frage muss beantwortet sein, bevor man in die Details geht. Viele haben sich diese Frage noch nie gestellt und wissen deshalb nicht, welche Qualitätsanforderungen, welche Form, welchen Aufwand oder welche Publikationsmöglichkeiten das Video hat.

Es wird ein völlig anderes Video wenn die Antwort lautet:

  • „Wir möchten zeigen, welches Potential unsere Mitarbeiter haben.“
  • oder: „Wir wollen unserer Firma ein Gesicht geben.“
  • oder: „Wir machen ein Video, weil unsere Kunden immer die gleichen Fragen stellen und wir wollen diese beantworten.“
  • oder: „Wir möchten unsere Firmenkultur nach aussen tragen.“

Deshalb lautet mein Apell:

Firmenvideos, Imagefilme oder Recruiting-Videos sollten als strategische Werkzeuge verstanden werden. Der Videoproduzent hat die Verantwortung für die erfolgreiche Kommunikation.

Die Fragen dazu lauten:

  • „Warum möchten Sie ein Video machen?“
  • „Wie lautet der Aussagewunsch?“
  • „Für welche Zielgruppe ist das Video bestimmt?“

Danach geht es in die Details, danach muss der Videoproduzent Vorschläge machen, Möglichkeiten und Grenzen aufzeigen und danach kann offeriert werden. Deshalb ist bei mir bei jedem Projekt die Beratung ein wesentlicher Erfolgsfaktor.

 

Recruiting-Videos als HR-Instrument

Die BILANZ (http://bit.ly/2aASUBc) hat eine neue Studie (von Jörg Buckmann) vorgestellt zum Online Recruiting.

Daraus ein Zitat:
„Die vorbildlicheren Firmen preisen sich hingegen mit aufwendigen Videos an. Und noch wichtiger: Sie zeigen Interessierten, wie das Arbeitsumfeld aussieht.“

Unten mein Beispiel, das ich für Diction AG gemacht habe. Das Recruiting-Video bringt die Firmenkultur und das Arbeitsklima auf den Punkt. Es ist für nichts glaubhafter, als wenn direkt betroffene Mitarbeiter erzählen:

Hier ist der Link zur Job-Seite von Diction AG, auf der das Video eingebunden ist.

Doch was unterscheidet Recruiting-Videos von sonstigen Image-Videos?

  • Sie dürfen subjektiver sein, da die Mitarbeiter ihren Standpunkt darlegen
  • Sie dürfen länger sein, da Bewerber bereit sind, mehr Zeit auf der Webseite des potenziellen Arbeitgebers zu verbringen
  • Ihr primärer Auftrag ist das darstellen des Arbeitsumfeldes aus der Sicht eines Mitarbeitenden. Geschrieben ist schnell etwas, es in eine Kamera zu sagen muss wirklich so gemeint sein (mindestens bei nicht geübten Sprechern wie in diesem Fall).

Deshalb haben wir für dieses Video mindestens eine Stunde Interviewzeit einberechnet und die Mitarbeiter haben sich nicht vorbereitet. Niemand von ihnen wusste, was kommen würde. Es war in meiner Verantwortung, die Antworten zu bekommen, die „videoreif“ sind. Es ist klar, dass dabei die Firmenkultur wirklich gut sein muss, um ein entsprechend glaubhaftes Resultat zu bekommen.

Mitarbeiterinterviews für Imagefilm

Videoquotes funktionieren bei ungeübten Darstellern nur, wenn sie etwas in ihren eigenen Worten sagen und wenn sie sich wohl fühlen. Wohl fühlen heisst: über die Gewöhnungsphase hinauskommen. Wenn Kameras auf einen Menschen gerichtet sind, das Licht blendet und jemand Fragen stellt, dann ist das eine aussergewöhnliche Situation. Erfahrungsgemäss braucht jemand 10 bis 45 Minuten, bis er die Kameras vergisst und ein „Gespräch“ entsteht, woraus man glaubhafte und gute Aussagen für den Imagefilm extrahieren kann. In meinem Verständnis ist der Interviewer verantwortlich für die Antworten seines Interviewpartners.

Artikel auf Schweizerdeutsch anhören:

Vorgehen Imagefilm Sefag

In diesem Fall erklären drei Verkaufsleiter der Sefag ihre Firma und ihre Haltung: Das ist etwas, was ich immer wieder machen darf. Ich nehme mir dafür viel Zeit. Ein Interview kann locker über eine Stunde dauern. Dabei filmen zwei Kameras, damit ich schneiden kann und das Bild während den Quotes dynamisch bleibt. Alle längeren Pausen und störende „Ähs“ und „Hms“ kommen weg und am Schluss wird aus 7 Stunden Filmmaterial ein Clip von eineinhalb Minuten:

Toll ist bei diesem Projekt: Das Video wurde ganz oben auf der Webseite der Firma platziert. Ich glaube, dass viele Videos ihre Wirkung nicht entfalten können, weil sie irgendwo in den verschachtelten Tiefen einer Webseite versteckt werden. Nicht so hier:

Imagefilm für die Sefag auf der Webseite

Nichts spielen

Ich bin der Meinung, dass dieser Imagefilm zeigt, was mir als potenzieller Kunde wichtig wäre: Ich sehe, wie die Mitarbeiter ihre Arbeit verstehen, ich sehe, wie engagiert sie sind und was für eine dezidierte Haltung sie haben. Ich merke, dass sie ihre Arbeit gerne machen. Niemand will mit gleichgültigen Lieferanten arbeiten. Der Imagefilm zeigt, wie die direkten Ansprechpartner denken. So ein Imageclip funktioniert aber nur, wenn sich die Firma so präsentieren möchte, wie sie ist.

Hier ist das Setting für das Interview in einem Kameraschwenk (8s):

Im letzten Blogartikel habe ich geschrieben, warum Video in der Kommunikation als strategisches Instrument verstanden werden sollte. Diesen Artikel jetzt lesen: Was ein Firmenvideo mit Zielen, Identität und Vision zu tun hat. Oder einfach schnell anhören:

Tutorials für Agroscope

Rezepte schaue ich nur auf Youtube, die meisten Gebrauchsanweisungen, Reparaturen, Bauanleitungen ebenfalls. Und nicht zu vergessen: Alle Computerprogramme habe ich so gelernt. Toll, wenn ich das auch für andere machen darf. In diesem Beispiel für Agroscope:

Die Schwierigkeit lag in der Genauigkeit der Abläufe und Prozesse. Alles musste perfekt stimmen.

Für die englische Version durfte ich mit dem Sprecher Michael Morris zusammenarbeiten und für die französische Version mit Olivier Vuille. CI/CD war vorgegeben, alles weitere wurde in Zusammenarbeit mit Agroscope definiert.

Links:
– Liebefeld Kulturen
– Agroscope

Spiel mit den RGB-Kurven

Wie man schnell und ohne viel Aufhebens einen „Hollywood Look“ in sein Video bringen kann:

http://www.premiumbeat.com/blog/cinematic-video-in-premiere/

Das ist natürlich nicht die hohe Kunst des Color Gradings, funktioniert auch nicht bei allen Videos und produziert äusserst zweifelhafte Resultate. Aber als ich das ausprobiert habe, habe ich angefangen mit den RGB-Kurven zu spielen. Und das ist genau das, was ich so wertvoll finde: das Experimentieren.

Fang einfach mal an und schau, was das Bild macht. Entwickle ein Gefühl für das Bild, für die Atmosphäre. In meinem Videokurs haben wir meistens keine Zeit für ein ausgedehntes Grading. Deshalb ist es wichtig, dass man an seinen Skills weiterarbeitet. Der kreative Videograf in dir muss gefüttert werden.