Qualitätsmanifest für Video: Stabilisierung

Als ich früher als Videojournalist für die Medien gearbeitet habe, hörte ich immer wieder: «Qualität ist nebensächlich, Video ist Trumpf». Die Haltung dahinter war: Video schaut man sowieso, es ist wichtiger, ein Video zu haben als keines. Wie es aussehe sei nicht so wichtig, sagte man mir damals, Hauptsache es gäbe ein Video zum Anschauen.

Das ist kreuzfalsch, sage ich. Warum das so ist, erfahren Sie in diesem und in den folgenden Beiträgen über die Qualität in Videos.

Auf der Webseite eines grossen Schweizer Medienhauses habe ich vor einigen Jahren (in den Anfängen von Online-Video) folgendes Video gesehen: Ein total verwackeltes, verrauschtes und schlechtes Bild, Typ iPhone, hochkant gehalten, vermutlich mit ausgestreckter Hand. Das Video zeigte eine Kioskverkäuferin, die interviewt wurde von einem Journalisten, den man aber nicht im Video sah.

Das Video war in meinen Augen eine Katastrophe. Es war so verwackelt, dass man die Frau nicht in Ruhe sehen konnte, manchmal war ihr Kopf auch gar nicht mehr im Bild. Unmöglich, etwas vom Interview aufzunehmen, unmöglich, sich auf die Antworten zu konzentrieren.

«Stabilisierung verhindert Ablenkung»

Ein Video sollte stabilisiert werden, damit das Wackeln und Schütteln nicht von der Aussage ablenkt. Der Inhalt muss im Vordergrund stehen, die Kamera als Objekt darf sich nicht bemerkbar machen, es sei denn, das sei gewollt. Aber das ist hohe Schule.

Schauen Sie einmal kurz in dieses Video rein, auch wenn es nur ein paar Sekunden sind:

Die Bewegungen der Kamera sind butterweich, man hat das Gefühl mitzuschweben. Es sieht leicht aus. Ich schaue es gerne. Vergleichen Sie die Bilder mit folgendem Video:

Das Schütteln und Wackeln ist so penetrant, dass es zur Aussage wird oder von der Aussage ablenkt. Dabei ist in den meisten Fällen eine ruhige Kamera ohne viel Aufwand möglich.

Die einfachste Lösung ist ein Stativ (hat man keins, gibt es kreative Tricks). Das ist ja eigentlich klar, mag man denken, aber leider sehe ich immer wieder Videos, die zwar grandiose Bilder zeigen aber das typische Wackeln einer digitalen Spiegelreflexkamera aufweisen, wie zum Beispiel folgendes Video, das ich letztens in meiner Facebook-Timeline fand (im Vollbild anschauen):

Ein stabilisiertes Video verhindert Ablenkung durch Schütteln und Wackeln (im Gegensatz zur Kamerabewegung, die die Aufmerksamkeit steuern kann indem sich die Kamera z.B. auf ein Objekt zubewegt). Oder positiv formuliert:

Ein ruhiges Bild ermöglicht dem Zuschauer, sich auf den Inhalt zu konzentrieren.

Das ist die Essenz der Stabilisierung im Video.

Ich selber arbeite wenn es immer möglich ist mit einer stabilisierten Kamera. Entweder mit einem Stativ, einem Rig oder einem Schwebestativ.

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